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Beruf & Arbeit

Ersten Arbeitsvertrag prüfen

Was du verstehen solltest, bevor du unterschreibst.

Ein Arbeitsvertrag ist die Grundlage für dein Arbeitsverhältnis. Darin steht, welche Arbeit du machst, wie viel du verdienst, wie lange du arbeitest, wie viel Urlaub du hast und welche Regeln für dich und deinen Arbeitgeber gelten.

Kurz gesagt: Der Arbeitsvertrag entscheidet, worauf du dich im Job einlässt.

Warum ist das wichtig?

Viele Jugendliche unterschreiben ihren ersten Arbeitsvertrag, ohne ihn richtig zu lesen. Das ist verständlich, weil man sich über den Job freut und nichts falsch machen möchte. Trotzdem solltest du den Vertrag vorher prüfen.

Ein Arbeitsvertrag ist verbindlich. Wenn du unterschreibst, erklärst du, dass du mit den Bedingungen einverstanden bist. Nach dem Nachweisgesetz müssen Arbeitgeber wesentliche Arbeitsbedingungen schriftlich festhalten und dem Arbeitnehmer aushändigen.

Dazu gehören unter anderem Angaben zum Beginn des Arbeitsverhältnisses, zur Tätigkeit, zur Arbeitszeit, zur Vergütung, zum Urlaub und zu Kündigungsfristen. Gerade beim ersten Job solltest du deshalb wissen, was im Vertrag steht und was es praktisch bedeutet.

Einfach erklärt: Was ist ein Arbeitsvertrag?

Ein Arbeitsvertrag ist eine Vereinbarung zwischen dir und deinem Arbeitgeber. Du verpflichtest dich, eine bestimmte Arbeit zu leisten. Der Arbeitgeber verpflichtet sich, dich dafür zu bezahlen und die vereinbarten Bedingungen einzuhalten.

Ein Arbeitsvertrag kann schriftlich oder in bestimmten Fällen auch mündlich entstehen. Für dich ist ein schriftlicher Vertrag aber viel sicherer, weil du später nachlesen kannst, was vereinbart wurde.

Was sollte im Arbeitsvertrag stehen?

Vertragspartner

Im Vertrag sollte klar stehen, wer den Vertrag abschließt: dein Name, Name des Arbeitgebers, Adresse des Arbeitgebers und eventuell Einsatzort oder Filiale.

Beginn

Der Vertrag sollte sagen, ab wann du arbeitest und ob der Vertrag befristet oder unbefristet ist. Ein unbefristeter Vertrag läuft ohne festes Enddatum. Ein befristeter Vertrag endet zu einem bestimmten Zeitpunkt oder nach einem bestimmten Ereignis.

Tätigkeit

Im Vertrag sollte stehen, welche Tätigkeit du ausübst, zum Beispiel Verkäufer, Werkstudent, Aushilfe, Auszubildender, Servicekraft, Büroassistenz oder Praktikant.

Arbeitszeit

Prüfe Wochenstunden, feste Arbeitstage, Schichtarbeit, Wochenendarbeit, Überstunden, Bezahlung oder Ausgleich von Überstunden und Pausenregelungen.

Vergütung

Im Vertrag muss klar sein, ob du Stundenlohn oder Monatsgehalt bekommst, ob der Betrag brutto oder netto ist, wann gezahlt wird und ob Zuschläge, Sonderzahlungen, Provisionen oder Ausbildungsvergütung geregelt sind.

Probezeit

Viele Arbeitsverträge enthalten eine Probezeit. In dieser Zeit können beide Seiten prüfen, ob die Zusammenarbeit passt. Während der Probezeit gelten oft kürzere Kündigungsfristen.

Je genauer die Tätigkeit beschrieben ist, desto besser verstehst du, welche Aufgaben zu deinem Job gehören. Gerade bei Minijobs, Nebenjobs und Ausbildung sollte die Arbeitszeit realistisch zu deinem Alltag passen.

Wichtig: Im Vertrag steht fast immer der Bruttobetrag. Das ist nicht automatisch das Geld, das später auf deinem Konto landet.

Urlaub und Kündigungsfrist

Urlaub

Im Vertrag sollte stehen, wie viele Urlaubstage du hast. Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt nach Bundesurlaubsgesetz mindestens vierundzwanzig Werktage bei einer Sechs-Tage-Woche. Der volle Urlaubsanspruch entsteht grundsätzlich erstmals nach sechs Monaten Bestehen des Arbeitsverhältnisses.

Kündigungsfrist

Die Kündigungsfrist sagt, wie lange du oder dein Arbeitgeber vorher Bescheid geben müssen, wenn das Arbeitsverhältnis beendet werden soll.

Wenn du fünf Tage pro Woche arbeitest, wird der gesetzliche Mindesturlaub entsprechend auf Arbeitstage umgerechnet. Viele Arbeitgeber geben aber mehr Urlaub als das gesetzliche Minimum.

Prüfe bei der Kündigungsfrist:

Welche Kündigungsfrist gilt? Gibt es unterschiedliche Fristen in und nach der Probezeit? Muss die Kündigung schriftlich erfolgen? Gibt es Tarifverträge oder besondere Regelungen?

Wie prüfe ich meinen ersten Arbeitsvertrag?

01

Vertrag komplett lesen. Lies den Vertrag wirklich von Anfang bis Ende und markiere alles, was du nicht verstehst. Typische Punkte, die man schnell übersieht, sind Probezeit, Befristung, Überstunden, flexible Arbeitszeiten, Einsatzort, Kündigungsfrist, Rückzahlungsklauseln, Nebentätigkeiten und Vertragsstrafen.

02

Brutto, Arbeitszeit und Urlaub vergleichen. Prüfe, ob Gehalt, Wochenstunden, Einsatzort, Urlaubstage, Tätigkeit und Befristung zu dem passen, was im Gespräch gesagt wurde.

03

Unklare Begriffe klären. Arbeitsverträge enthalten oft Begriffe wie Bruttovergütung, Ausschlussfrist, Nebentätigkeit, Wettbewerbsverbot, Tarifvertrag, variable Vergütung, Rufbereitschaft oder Überstundenabgeltung.

04

Bei Unsicherheit jemanden drüberschauen lassen. Du kannst den Vertrag von Eltern, Vertrauensperson, älteren Geschwistern, Berufsberatung, Gewerkschaft, Betriebsrat, Verbraucherberatung, Rechtsberatung oder bei Ausbildung zusätzlich Kammer oder Berufsschule prüfen lassen.

05

Erst unterschreiben, wenn du alles verstanden hast. Unterschreibe nicht unter Druck. Ein seriöser Arbeitgeber sollte akzeptieren, dass du den Vertrag in Ruhe prüfen möchtest.

Wenn etwas anders ist als besprochen, solltest du vor der Unterschrift nachfragen. Wenn du etwas nicht verstehst, ist das kein Zeichen von Schwäche. Es ist normal.

Wenn jemand sagt: „Du musst sofort unterschreiben, sonst bekommst du den Job nicht“, solltest du besonders aufmerksam sein.

Was mache ich, wenn etwas komisch wirkt?

Wenn dir etwas komisch vorkommt, solltest du nicht einfach unterschreiben.

Warnzeichen sind:

Arbeitszeit ist unklar Gehalt ist nicht eindeutig es steht „Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten“, ohne klare Grenze Befristung wurde vorher nicht erwähnt Probezeit ist sehr ungünstig geregelt du sollst Geld zahlen, um anfangen zu dürfen Vertrag enthält unverständliche Strafklauseln du bekommst keinen schriftlichen Nachweis der Arbeitgeber drängt extrem

Dann solltest du nachfragen oder den Vertrag prüfen lassen.

Beispielgeschichten

Max unterschreibt fast zu schnell

Max bekommt seinen ersten Job im Einzelhandel. Im Gespräch wurde gesagt, er arbeite zwanzig Stunden pro Woche. Im Vertrag steht aber, dass seine Arbeitszeit flexibel nach Bedarf eingeteilt wird.

Max fragt nach und erfährt, dass er auch kurzfristig an Wochenenden eingeplant werden kann. Das passt nicht zu seiner Berufsschule.

Was Max daraus lernt:

Nicht nur das Gehalt zählt. Arbeitszeit und Planbarkeit sind genauso wichtig.

Lena fragt wegen Überstunden nach

Lena bekommt einen Bürojob. Im Vertrag steht, dass Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sind. Sie versteht nicht genau, was das bedeutet.

Sie fragt nach und bittet um eine klare Erklärung. Danach wird ihr erklärt, wie Überstunden erfasst und ausgeglichen werden.

Was Lena daraus lernt:

Unklare Formulierungen sollte man vor der Unterschrift klären, nicht erst nach dem ersten Problem.

Typische Fehler beim ersten Arbeitsvertrag

Vertrag nicht komplett lesen Brutto mit Netto verwechseln Arbeitszeit nicht genau prüfen Probezeit übersehen Befristung nicht beachten Überstundenregelung nicht verstehen Urlaubstage nicht prüfen Kündigungsfrist ignorieren mündliche Zusagen nicht schriftlich festhalten aus Angst vor Nachfrage einfach unterschreiben

Stand: August 2026

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